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Kultur meets Mokka

Das Kulturforum Südliche Bergstraße e.V. organisierte im Kultkeller „die note“ in Wiesloch eine Benefizveranstaltung zugunsten der Arbeit unseres Cafe Mokka. Zusammen mit der Band „De Roode Pelikan“ schafften sie einen beispielhaften Rahmen für eine beeindruckende Veranstaltung, welche wir so schnell nicht vergessen werden.

Jürgen schrieb einen Erlebnisbericht darüber.

 

Donnerstag, 26. November 2015. Mittags

„Das ist eine tolle Sache, die ihr da angeschoben habt“, sagt Anne Maennchen. Gerade erst sind wir uns zufällig begegnet und sitzen in der Kantine der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Sie erzählt mir von den Aktivitäten des Kulturformus Südliche Bergstraße e.V. , dessen stellvertretende Vorsitzende sie ist, und ich berichte von unseren Ideen rund um das Café Mokka. Mit dem Vorsatz, uns weiter auszutauschen verabschieden wir uns an diesem Tag.

Montag, 21. Dezember 2016. Abends

Ich habe das Gespräch aus Stuttgart schon fast vergessen, als ich einen Zettel samt Mailadresse zugesteckt bekomme mit dem Hinweis, ich möge mich da doch mal melden. Anne Maennchen. Mache ich und kurz darauf steht montags der halbe Vorstand des Kulturforums auf der Türschwelle des Mokka. Um uns mit dem Vorschlag zu überraschen, ein Benefizkonzert zu unseren Gunsten zu veranstalten. Unsere Konzept dürfen wir vorstellen und mit ihm einige Beispiele gelebter Integrationsansätze. Ganz schön geplättet sind wir ob dieser Ehre – und ebenso stolz wie erfreut.

Der Termin steht schon fest: 17. März. Der Ort auch: Kulturkeller ‚Note‘ in Wiesloch. Desgleichen der künstlerische Rahmen des Abends: ‚De roode Pelikan‘ mit seinem vielfältigen Repertoire aus Chanson, Tango und Revelutionsliedern. Klingt also nach einem Selbstläufer. Wäre da nicht der Wunsch der VeranstalterInnen, dass sich das Mokka selbst einbringen möge in die Gestaltung des Abends. Eine echte Herausforderung.

Stephan Kellers refu-jam Projekt  hat zu diesem Zeitpunkt bereits stadtübergreifende Aufmerksamkeit gefunden. Aber wird er seine Künstler zu einem live-Auftritt überreden können? Keiner von ihnen hat bis dato vor Publikum gestanden. Wir bitten Stephan, sich mit den Pelikanen in Verbindung zu setzen und übertragen ihm den gesanglichen Mokka-Part. Nun ist das Musizieren mit Einzelnen eine Facette des Mokka. Aber da sind auch unsere JuZ-kids, unsere SchülerInnen aus Mannheim und Heidelberg und die große Gruppe unserer Montagsgäste aus der Kreissporthalle. Die Kickerer und Tänzer. Sie alle wollen wir ebenfalls einbinden. Und besinnen uns auf den Zweck unseres Vereins. Die Integration.

Integration bedeutet auch: Teilhabe an Gestaltung und Übernehmen von Verantwortung. Dies beherzigend fragen wir die Jugendlichen, ob sie ein Tanzprojekt einbringen möchten. Klar! Und somit ist auch unser zweiter Beitrag in guten Händen.

Donnerstag, 17. März 2016

Unsere Gastgeber haben Kontakt zur Autorin Simin Heiderfazel, die aus Afghanistan stammt und seit vielen Jahren in Heidelberg lebt. Sie wird abends in der Note anwesend sein und möchte ein Grußwort an ihre Landsleute richten. Damit ist uns ein Teil der Entscheidung abgenommen, welche Flüchtlinge wir einladen zum Konzert. Alle – das würde den Rahmen der Veranstaltung sprengen. Afghanische Jungs – zeigten sich schon in der Woche zuvor in der SRH Stephen-Hawking-Schule als offene und verlässliche Gesprächspartner. Also ansprechen.

19 Uhr. Der Keller füllt sich. Stephan mit seinen Sängern ist schon da. Sie haben noch kurz geprobt. Läuft. Eine Handvoll afghanischer junger Männer ist gekommen und hat schon Kontakt zur Bevölkerung aufgenommen. Läuft. Die Tanzgruppe … IST NOCH NICHT DA!? Schrecksekunde! Dann kommen sie – hatten Schwierigkeiten mit der Anfahrt. Läuft also auch.

Anne eröffnet. Begrüßung der Gäste und Musiker, Dank an Wolfgang, den Chef der Note. Frau Heiderfazel betritt die Bühne und spricht auf Farsi. Im Publikum sind junge Menschen aus Afghanistan, dem Iran und Irak. Es scheint eine ergreifende Rede zu sein. Wir können nur erahnen, worum es geht. Vielleicht um die Heimat, die man verlassen musste. Vielleicht um Deutschland, das die Möglichkeit zum Neuanfang verheißt. Gänsehautstimmung, Stille im Saal. Dann Überleitung zum Mokka. Wir dürfen uns vorstellen. Beschreiben, was wir tun, welchen Zweck wir verfolgen und wer unsere Gäste sind. Der persönliche Kontakt mit Flüchtlingen und Migrantenkindern ist bestimmt für viele im Raum noch ungeübt, vielleicht sind manche auch dankbar für die eine oder andere Hintergrundinformation über Lebensumstände und Fluchtursachen.

Aber wir wollen nicht theoretisieren, sondern Menschen zusammenbringen. Darum jetzt: Musik! De Roode Pelikan (e) chansonieren, revolutionieren und geben uns – wie sie es nennen – Alltagsphilosphie und Gebrauchslyrik mit auf den Weg. Da schlägt Robert Gernhardt noch einmal verschmitzt den Deckel auf und Harald Hurst lässt seinen Hund ahnungslose Passanten jagen. Die ersten Hüften wackeln im Takt. Und so geht es weiter, als die JuZ-Kids zusammen mit zwei afghanischen Jungs zu Yak Qadam Pesh von Jawid Sharif performen. Dieses Lied läuft montags im Cafè Mokka bisweilen ohne Unterlass und es birgt absolute Ohrwurmgefahr.

Danach ist das Publikum auf Betriebstemperatur. Es folgt der refu-jam. Rihana singt ein Liebeslied von Googoosh, einer iranischen Künstlerin. Nathan darf gleich zwei Stücke interpretieren. Eines stammt vom ‚Herbert Grönemeyer Persiens‘, wie es Stephan ankündigt, das andere singt er a capella für seine Freundin – ein türkisches Liebeslied. Babu schließt mit einem R’n’B-Song. Das machen alle drei richtig, richtig gut. Ich bewerbe mich bei ihnen auf den Posten des Musikmanagers. J

Spätestens jetzt läuft alles von selbst. Es bilden sich Gesprächsgruppen, die Flüchtlinge und Interpreten erzählen von zuhause und ihrem Weg nach Deutschland. Die schon hier Lebenden fragen und verabreden. Zu dieser entspannten Athmosphäre trägt auch bei, dass unsere Gastgeber wunderbares Essen aufgefahren haben und Wolfgang seine Getränke reicht. Noch ein letzter Höhepunkt, als Julie André die Bühne betritt und zusammen mit Jacques Brel die Kais von Amsterdam in den Keller holt. Licht an.

Wir schauen uns an und fragen, wohin der Abend so schnell verflogen ist. Die nächsten Projekte sind schon ins Auge gefasst.

Liebe Freunde vom Kulturforum: wir danken euch für die Einladung und die tolle Unterstützung!