Johann Georg August Wirth kam ins Gefängnis und musste Frauensocken stricken und seine Frau Regina konnte nur unter einem männlichen Pseudonym ihre Texte veröffentlichen. Warum? Weil sie für die Freiheit des Einzelnen und für die Freiheit des Wortes demonstrierten und es buchstäblich auf den Gipfel trieben damit. Hoch hinaus stiegen sie – damals im Mai 1832 – und organisierten mit anderen gemeinsam das Hambacher Fest.

30.000 Menschen kamen. Eine ungeheure Anzahl, wenn man sich vor Augen führt, dass die damalige Großstadt Frankfurt am Main zur selben Zeit gerade einmal 40.000 Einwohner hatte.

Vorbei an den Augen der Herrschenden gelang es ihnen, Reden, Diskussionen und Debatten zu halten, um das Land zu verändern. Aber anders als zahlreiche Menschen das heute für sich verstehen, kämpften sie NICHT GEGEN etwas. SONDERN FÜR etwas. Und sie dachten dabei nicht nur an sich, sondern wollten die Freiheiten für alle erreichen. Ganz im Sinne der erstmalig gezeigten Flagge: schwarz – rot – gold. Denn diese Farben stehen nicht für dunkles ‚wir-sind-das-Volk‘-Gebrülle, nicht für auf den Straßen vergossenes Blut und nicht für in die eigenen Taschen gesteckten Vermögen. Nein, sie standen für die Trauer um den Zustand des Landes, für das Herzblut, mit dem man für die Freiheit kämpfte und für den Sonnenaufgang an dem Morgen, welcher die Zukunft bedeutet. Ok, es gibt vielerlei Deutungen und Ableitungen dieser Farben – aber dies ist eine davon und sie ist heute so aktuell wie damals.

„Macht euch jeden Tag bewusst, dass die Freiheit nicht von selbst da ist. Kämpft jeden Tag um sie.“ Diese Sätze wiederholte unser Guide, als wir vergangenen Samstag das Hambacher Schloss besuchten. Eine bunte Gruppe von Menschen, die sich das gern zu eigen machen. Die einen, weil sie von ihren Eltern noch Erzählungen aus dunklen deutschen Zeiten im Ohr haben. Die anderen, weil sie ihre Heimat verlassen mussten, weil es dort eben keine Freiheit mehr gibt.

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