Aktuelles, news

Kurz vor der Einschulung

Es war irgendwann im Mai des Jahres 2015, als wir zum allerersten Mal die Türen des Cafe Mokka öffneten. Also die Tür war offen – aber irgendwie kam noch keiner, wenn ich mich recht erinnere.

Wie ging das denn los eigentlich? Im Spätwinter kamen die ersten Menschen über den Balkan und das Mittelmeer nach Deutschland. Und neben denen, die im Südosten Europas ihre Heimat verlassen hatten, waren da auch diejenigen aus Nord- und Mittelafrika, aus dem Irak und Syrien. Wir schnappten uns flipchart-Bögen und eine Schultafel, um in der neuen Unterkunft an der Moschee als ‚Lehrer‘ tätig zu sein. Wir wussten nix und hatten keine Ahnung. Aber wir hatten den ungebremsten Willen, etwas zu tun. Malten Bildergeschichten auf’s Papier, sprachen wieder und wieder einfachste Sätze und gaben erste Einblicke in die Gepflogenheiten eines Landes, das sich dann doch kaum einer Ankömmlinge so hat vorstellen können, wie es ist.

Dass die Leute auch rausmüssen aus der Unterkunft, und dass wir etwas eigenes machen wollten, war uns schnell klar. Ein Cafe müsste man machen – so etwas gab es schon. Aber wir waren jung und hatten keine Kohle, weshalb wir Klinken putzten auf der Suche nach einem Raum. Und mit dem Glück des Tüchtigen im JuZ fündig wurden.

Das Frühjahr verging, der Sommer kam. Und mit ihm weitere Menschen aus vieler Herren Länder. Die Welt war urplötzlich mitten im beschaulichen Wiesloch – nicht mehr nur bei der Slomka im Fernsehen. Wir hörten die ersten Erzählungen aus Kobane, aus Herat, aus Erbil und Isfahan. Schier wahnwitzige Details aus dem Schlauchboot oder von zigfachen Versuchen über irgendeine Grenze zu gelangen. Viele kamen und viele gingen bei uns ein und aus. Manche sahen wir nie wieder, andere steckten nach Jahren den Kopf durch die Tür, als seien sie niemals weg gewesen. Wir sahen die Mühen des Fußfassens, Tränen und Verzweiflung in den BAmF-Interviews, Scheitern, Mut und Zuversicht. Wir haben denen geholfen, die Hilfe wollten, haben gefeiert, vermittelt, bekannt gemacht und erklärt. Eine tolle Zeit. Und die Hütte war an manchen Tagen so voll, dass wir die Tür schließen mussten.

Und nun, wo wir zum fünften Geburtstag – kurz vor der Einschulung sozusagen – ein rauschendes Fest machen wollten: ZACK! Strich durch die Rechnung.

Mein Vorschlag: ihr stöbert zur Feier des Tages noch einmal durch unsere Galerie und die Beiträge, schließt die Augen und lasst Zeit und Bilder an euch vorbeiziehen. Mit diesen schönen Erinnerungen könnt ihr euch dann auf die Feier zum sechsten Geburtstag im nächsten Jahr freuen. In diesem Sinne ein großer Dank an alle, die uns bis hierher begleitet haben. Haltet durch und auf bald. Jürgen